Nützlichkeit und Schizophrenie

Hatte man ihn einmal wahrgenommen, so ging er einem nicht mehr aus dem Kofpe. Er schien gewissermassen, ich weiss nicht recht, aber zweifellos seiner eigenen Bestimmung zu folgen … In Erstaunen versetzte, dass er, wiewohl nicht einfach, so doch auch nicht wirklich verwickelt, gleichsam auf Anhieb und vorsätzlich kompliziert entworfen worden war. Dass er viel mehr seine Einfachheit in dem Masse verloren hatte, wie er hergestellt worden war … Wie er da stand, war es ein Tisch mit Zusätzen, so wie gewisse überladene Zeichnungen von Schizophrener gemacht sind, und war er vollendet, so in dem Masse, wie die Mittel nicht mehr vorhanden waren, ihm irgend etwas noch hinzuzufügen, Tisch, der immer mehr von einem Haufen, immer weniger von einem Tisch an sich hatte … Auf keinen Gebrauch war er zugeschnitten, auf nichts, was gewöhnlich von einem Tisch erwartet wurde. Schwer, sperrig, war er kaum von der Stelle zu rühren. Man wusste nicht, wie ihn nehmen (sowohl geistig wie manuell). Die Tischplatte, der nützliche Teil, zunehmend an Umfang verlierend, verschwand, stand zu diesem unhandlichen Gestell so wenig in Beziehung, dass man das Ganze als einen Tisch nicht mehr zusammenbrachte, vielmehr als ein gesondertes Möbelstück ansah, dessen Verwendung noch nicht hätte angegeben werden können. Ein Tisch, der von menschlichen Spuren nicht mehr zeugte, bar jeder Schnörkelei, der nicht bürgerlich, nicht rustikal war, der kein Tisch vom Lande, kein Küchen- und kein Arbeitstisch war. Der für nichts sich hergab, sich verteidigte, sich jeglichem Dienste und jeder Kommunikation verweigerte. An ihm etwas Niedergedrücktes, Erstarrtes. Er hätte an einen stillgelegten Motor denken lassen könnnen.

 

— Henri Michaux, Les Grandes épreuves de l’espirit, Gillimard 1966, S. 156ff

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